Das Buch „Whisper Island“

„Whisper Island – Sturmwarnung“ ist das erste Jugendbuch der Bestsellerautorin Elizabeth George und ab sofort im Buchhandel erhältlich.

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Lese hier Maras Reisetagebuch:

Roadtrip to myself

Mein Name ist Mara.

Ich bin 19 Jahre alt und komme aus Berlin.
Ich folge den Spuren, die das Leben für mich ausgelegt hat.
Ich halte fest, was es festzuhalten gilt.
In Fotos, in Illustrationen, in Texten.
Vielleicht finde ich mich genau dort wieder – zwischen den Zeilen.

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15:14 | Friday, 4. November 2011

Goodbye USA! Goodbye Andie, die mich nun auch noch direkt zum Flughafen gebracht hat. Die letzten Wochen schwirren immer noch durch meinen Kopf. So viel hat sich verändert. Wer hätte gedacht, dass meine Reise, die wie der absolute Albtraum begann, zum Schluss sämtliche Fäden zusammengeführt hat? Und mir exakt all das bescherte, was ich nötig hatte?! Ich sage nur: Alice, Ian und Andie! Ich will mir gar nicht ausmalen, wie der ganze Trip verlaufen wäre, wenn es die drei nicht gegeben hätte. 

Jetzt bin ich erstmal gespannt, was mich jetzt zu Hause erwartet. Vielleicht sieht Mama jetzt ja ein, dass ihr Weg nicht unbedingt auch für mich richtig ist. Immerhin ist es mir nur gelungen, die Sache mit Andie zu klären, weil ich meinem Dickkopf gefolgt bin! Das muss zwar nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie mich jetzt bei allem mein Ding machen lässt. Aber eins steht völlig fest: Ich bewerbe mich nicht für ein Studium, das etwas aus mir macht, das ich nicht bin. Ich will meine Chance nutzen, genauso glücklich mit dem zu werden, was ich mache – wie Ian und Alice. Und bis ich meine Bewerbungsmappe für die Kunsthochschule im März abgeben muss, habe ich noch eine Menge Zeit, eine noch bessere Zeichnerin zu werden. An Ideen für Motive und Geschichten mangelt es mir nach diesem Trip jedenfalls ganz bestimmt nicht!

Hoppla, das war der Aufruf zu meinem Flug! Also dann, auf Wiedersehen USA, bis bald Alice, Ian und Andie und alles Glück der Welt für dich, Becca! 

In meinem Gepäck: 

Neu dabei:  Ein sehr viel klareres Bild von meinem Vater, neue Freunde, Zuversicht für die Zukunft, die Erinnerung an vier Wochen, die ich nie vergessen werde.

Unterwegs verloren: Unwichtige Dinge.


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13:22 | Friday, 4. November 2011


Entstanden in der Wartehalle des Flughafens in Seattle. Becca beim Abschied von ihrer Mutter.


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19:36 | Thursday, 3. November 2011


Ich wünsche mir, dass Becca mindestens genauso viel Glück hat wie ich. Ich wünsche ihr, dass ihr neuer Wohnort ein richtiges Zuhause für sie wird. Ich wünsche mir, dass ihr Stiefvater bekommt, was er verdient und sie mit ihrer Mutter in Sicherheit ist. Ich wünsche mir, dass sie glücklich wird. Mit sich. So, wie sie ist! Dass sie ihre Fähigkeiten nicht als Fluch begreift und irgendwann lernt, sie zu kontrollieren.


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18:29 | Thursday, 3. November 2011


Liebe Becca. Das und wie ich Dich kennen gelernt habe, ist ganz schön absurd. Und gleichzeitig ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Du jemals wissen wirst, wer ich bin. Ich kann diesen Brief leider nicht an Dich senden, als Flaschenpost abschicken oder sonst was. Ich möchte einfach nicht riskieren, irgendwelche Spuren zu Dir zu legen, denen die falschen Leute folgen könnten. Aber ich muss trotzdem einige Worte an Dich loswerden. Denn ohne Dich wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Dein Tagebuch hat mir geholfen, längst vergessen geglaubte Erinnerungen an meinen Vater aufzufrischen. Und durch Dich habe ich einen Roadtrip (üb)erlebt, der sonst in einer Katastrophe geendet wäre. 

Aber zuallererst sollte ich mich wohl bei Dir entschuldigen. Denn eigentlich geht so etwas echt gar nicht: Das Tagebuch von jemand anderem lesen! Aber ich konnte einfach nicht anders: Als ich es unter dem Beifahrersitz des Autos fand, das ich in San Diego gekauft hatte, und aufschlug, wusste ich ja nicht, dass es ein Tagebuch ist. Und wenn mir da nicht ein ganz spezielles Foto entgegen gefallen wäre, hätte ich sicher die Finger davon gelassen. Aber Dein Foto aus Portland war der erste Hinweis zu einem Geheimnis um meinen toten Vater. Und so verworren und seltsam das jetzt klingen mag, hoffe ich, dass Du ein bisschen verstehen kannst, dass ich diesem Hinweis folgen musste. 

Am liebsten würde ich Dich ja persönlich treffen, denn dann könnte ich Dir alles genau erklären – und Dir dein Tagebuch wieder zurückgeben. Aber … ich weiß nicht mal, ob Du überhaupt noch auf Whidbey Island bist. Bestimmt hat Dich deine Mutter längst abgeholt und ihr habt euer richtiges, neues Zuhause bezogen. Das wünsche ich Dir jedenfalls. Denn wenn ich eines in den letzten Wochen ständig gemacht habe, ist es, über „Zuhause“ nachzudenken. Dass das nicht von dem Ort abhängt, sondern von den Menschen, die da sind. Oder auch nicht mehr da sind. 

Ich habe durch meine Reise verdammt viele wichtige Dinge gelernt. Nicht nur über meinen Vater, sondern vor allem über mich selbst. Ich habe unglaublich tolle Menschen kennen gelernt, die jetzt alle einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben. Jeder von ihnen hat mir etwas beigebracht, dass ich niemals vergessen werde. Und auch, wenn ich Dich nie persönlich kennengelernt habe und das wohl auch nie werde, gehörst Du dazu. Ich besitze zwar nicht Deine Fähigkeiten, aber ich habe durch Deine Texte gelernt, anders mit Menschen umzugehen. Wer weiß, vielleicht war es ja kein Zufall, dass ich Dein Tagebuch gefunden habe.

Im Gegensatz zu dem, was Du durchgemacht hast, klingen meine Probleme wahrscheinlich lächerlich, trotzdem wollte ich einfach mal sagen, wie viel mir das bedeutet hat. Und dass ich dir für deine ganz persönliche Reise genauso viel Glück wünschen, wie ich es hatte! 

Alles, alles Gute

Mara.


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11:25 | Thursday, 3. November 2011

Die letzten Einträge in Beccas Tagebuch führen direkt an die Ablegestelle der Fähre nach Whidbey Island. Als Andie hörte, dass ich mich dort noch verabschieden muss, kam es für sie überhaupt nicht infrage, dass ich den Bus nehme. Sie will mich unbedingt mit dem Auto dorthin bringen. Da wollte ich mich dann auch gar nicht so richtig gegen wehren.

Sie wollte dann auch noch mal genau wissen, wer Becca ist. Es kommt mir immer etwas komisch vor, darüber zu reden. Als würde ich einen Film nacherzählen. All diese surrealen Dinge: Gedankenlesen, Schicksalsbegegnungen – aber das hier ist kein Märchen. Es gibt Becca wirklich. Und wenn sie keine Gedanken gelesen, sondern sich das alles nur eingebildet hätte, dann wäre ich jetzt nicht hier. Angefangen bei Mr. Carter, der mich mit nach San Francisco genommen hat, bis hin zum Sohn des Autohändlers. Ohne sie wäre ich längst wieder in Berlin und würde wegen Ben und des verlorenen Urlaubs flennen. Stattdessen sitze ich hier mit einer guten Freundin meines Vaters und lerne ihn von einer ganz anderen Seite kennen. Was mir zwar bewusst macht, wie sehr ich ihn vermisse, aber auch, dass ich wirklich den besten Vater hatte, den man sich wünschen kann.

Und was Ben betrifft: Mama hat mir erzählt, dass Mister „Ich hatte ja keine Ahnung, dass dich das so verletzt hat“ schon seit einer Woche wieder in Berlin hockt. Wesentlich früher als geplant. Und ohne Vanessa. Na, das scheint ja ein kurzes Vergnügen gewesen zu sein. Ja, ja, ich weiß, so ganz frei von Schadenfreude bin ich nicht, aber irgendwie tut’s mir schon auch ein bisschen leid für die beiden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so geplant war. Ich bin mal gespannt, ob Vanessa sich mal wieder bei mir meldet. Und ob Ben anruft, wenn ich zurück bin. Ich glaube, ich fände es sogar gut, mal mit ihm in Ruhe über alles zu quatschen. Denn hey, wäre er nicht so ein Riesenvollidiot gewesen, wären meine letzten Wochen sicher anders abgelaufen. Und ich hätte viel verpasst. 


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20:01 | Wednesday, 2. November 2011


Danke, Andie!


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18:36 | Wednesday, 2. November 2011


Die Kette war tatsächlich noch da! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ständig fühle ich nach, ob sie noch um meinen Hals hängt! Das alles fühlt sich ganz seltsam an. So, als würde Papa mir von sonst woher zulächeln. Und endlich weiß ich auch, weshalb mir der Name Maloy’s Jewlry bekannt vorkam. Aus demselben Laden ist nämlich auch mein Amulett. Das hat mir Papa damals dort gekauft, weil ich es so toll fand. Deshalb ist er auch wieder hierher gefahren. Er dachte wohl, dass Malloy genau der richtige Laden ist, um sein Spezialgeschenk für mich anzufertigen. Wie konnte ich nur jemals an diesem Mann zweifeln? 

Aber krass auch, dass Malloy Senior das Päckchen 8 Jahre lang aufbewahrt hat. Der besuchte seinen Sohn nämlich grade zur Kaffeepause. Und als er meinen Abholschein sah, drehte er sich mit einem kleinen Lächeln zu seinem Sohn um und sagte: „Siehst du! Ich hab dir immer gesagt, dass jemand kommen würde.“ Er erinnerte sich nämlich noch ganz genau an meinen Vater. Und an seine Begeisterung, als er die Kette in Auftrag gegeben hat. Für seine kleine Tochter. Der alte Juwelier meinte, Papa hätte die ganze Zeit von mir geschwärmt. Da musste ich wirklich ein paar Tränen wegblinzeln.

Ich bin dann erstmal raus und habe Mama angerufen. Papa hätte sicher gewollt, dass ich das ganze Missverständnis aufkläre. Ich hab’ ihr alles erzählt und sie dann sogar an Andie weitergegeben. Das muss für die beiden eine echt schräge Situation gewesen sein. Aber das Ende vom Lied war, dass Mama uns geglaubt hat und in Tränen ausgebrochen ist. Aber kein Wunder, wir waren eben alle beide wahnsinnig erleichtert! Und ich glaube, Mama hat in dem Moment – genau wie ich – wieder begriffen, wie sehr uns Papa eigentlich fehlt. 

Naja, und als wir uns dann verabschiedet haben, hat sie auch gar nicht mehr darauf bestanden, dass ich jetzt sofort zurück nach Berlin fliegen soll. Sie hat mir nur gesagt, dass sie mich vermisst. Und wann ich denn gedenke, nach Hause zu kommen. Bald, habe ich ihr versprochen. Denn davor habe ich noch was Wichtiges zu erledigen. Es gibt da nämlich noch jemanden, dem ich unbedingt danken muss!


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12:08 | Wednesday, 2. November 2011


Mein Vater hat mir tatsächlich etwas hinterlassen! Und zwar mehr als seine alten CDs zu Hause und meine Erinnerungen an ihn! Ich habe nämlich einen Abholschein von einem Juwelier gefunden, bei dem Papa am Tag seines Unfalls irgendeine Kette mit einem Kranich abholen wollte. Gefunden hab’ ich den in seiner alten Lieblingsjacke, die mir Andie überreicht hat. Nachdem sie mir erzählt hat, wie dieser verdammte Unfall passiert ist. 

Sie und Papa waren eigentlich verabredet, um seinen nächsten Auftritt zu besprechen, aber er hat sie einfach eingepackt und wollte während der Fahrt alles klären. Weil er nämlich auf dem Weg war, ein Geschenk für mich abzuholen. Wie krass ist das denn bitte? Ich denke die ganze Zeit, er hat Mama und mich betrogen und in Wahrheit wollte er einfach nur eins sein: Ein guter Vater! Andie zu erzählen, was genau er sich für mich als Überraschung ausgedacht hatte, dazu kam er allerdings nicht mehr. Schon kurz nach dem Losfahren wurde sein Wagen mitten auf einer Kreuzung von einem roten Pick-up gerammt. Voll in die Fahrerseite rein.

Das ist das Letzte, an das sich Andie erinnert. Danach ist sie drei Tage später im Krankenhaus aufgewacht. Das Erste, wonach sie gefragt hat, war mein Vater, aber… wir wissen ja, welche Antwort sie bekam. Und offenbar hat sie echt lange drüber nachgedacht, sich bei uns zu melden. Aber immerhin war es die Entscheidung meines Vaters, dass Mama nichts von ihr wusste. Also schwieg sie. Schließlich hätte sie uns auch nicht viel mehr erzählen können. Papas Jacke behielt sie. Als Andenken. Die lag auf ihrem Schoß, als sie aus dem Auto geschnitten wurde. Und die Sanitäter dachten wohl, es wäre ihre.

Jetzt aber hat sie sie mir gegeben. Tja, und als ich reingeschlüpft bin und die Innentasche nach dem typischen Bogen Papier abgesucht habe, aus dem Papa und ich immer Kraniche gefaltet haben, hatte ich plötzlich diesen Schein in der Hand. Andie sagt, den Juwellier-Laden gibt es noch, auch wenn der Sohn des damaligen Besitzers ihn völlig umgestaltet hat. Sie fährt mich morgen hin. Also: Vielleicht habe ich ja Glück und Papas Geschenk hat dort wirklich all die Jahre auf mich gewartet!


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09:07 | Wednesday, 2. November 2011


Danke für alles, Ian!


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18:36 | Tuesday, 1. November 2011


Mara allein in Portland. Naja, ganz stimmt das natürlich nicht. Aber so fühlt es sich an. Vor nicht mal zehn Minuten habe ich dem Tourbus der Jungs hinterher gewunken. Und jetzt sitze ich hier in meinem Hotelzimmer und Ian ist nicht mehr nur ein paar Türen weiter. Ein wirklich seltsames Gefühl. Wie schnell man sich daran gewöhnen kann, jemanden in seiner Nähe zu haben, der einem so gut tut. Einen zum Lachen bringt und nur weil er da ist, ganz viel Ideen, Pläne und … naja, Kraft freisetzt! 

Was haben wir heute Nacht geredet! Über sämtliche wichtigen Fragen des Lebens! Über unsere Träume, darüber, wie wir uns die Zukunft vorstellen. Was wir alles dafür tun würden, das wirklich wichtig ist im Leben. Es ist dunkel geworden und dann irgendwann wieder hell und wir hatten kein Auge zugemacht. Und nein: Nicht, weil da irgendwas ging. Wir haben uns – unglaublich, aber wahr – nur unterhalten. Obwohl, nur … Ich hab mich noch nie jemandem so unglaublich nah gefühlt – ohne, dass irgendwas gelaufen wäre. 

Denn eines ist schon mal sicher: Vergessen werde ich ihn nicht! Da, wo er jetzt ist – kurz vor dem Durchbruch, kurz davor, davon leben zu können, was ihn glücklich macht – genau das will ich auch für mich. Das weiß ich jetzt. Und ihm und den Boxes drücke ich alle Daumen, dass sie es schaffen! Denn dann folgt die Welttournee. Und ihr erstes Ziel ist Berlin. Das hat Ian mir fest versprochen :o)


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