Das Buch „Whisper Island“

„Whisper Island – Sturmwarnung“ ist das erste Jugendbuch der Bestsellerautorin Elizabeth George und ab sofort im Buchhandel erhältlich.

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Lese hier Maras Reisetagebuch:

Roadtrip to myself

Mein Name ist Mara.

Ich bin 19 Jahre alt und komme aus Berlin.
Ich folge den Spuren, die das Leben für mich ausgelegt hat.
Ich halte fest, was es festzuhalten gilt.
In Fotos, in Illustrationen, in Texten.
Vielleicht finde ich mich genau dort wieder – zwischen den Zeilen.

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10:55 | Monday, 24. October 2011


Ja großartig, das war wohl ein klarer Fall von zu früh gefreut. Von wegen nur noch in den Greyhound setzen und der Spur folgen. Statt in Portland, Oregon hocke ich völlig alleine auf weiter Flur mitten im Redwood Forest. Man sollte nicht glauben, dass der Highway 199  nur ein paar Meter entfernt ist – kein Motorengeräusch, kein Scheinwerferlicht, nur der Mond, irgendwelche irren Grillen und ab und zu ein komisches Knacksen irgendwo aus dem Wald. Ich hoffe nur, das ist keiner der berühmten kalifornischen Bären – oder womöglich Schlimmeres! Uah! Ich sehe die Schlagzeilen schon vor mir: Deutsche Touristin spurlos im Redwood Forrest verschwunden. Polizei steht vor einem Rätsel …

Aber jetzt mal nicht durchdrehen. Bin schließlich selbst Schuld! Ich musste ja unbedingt versuchen, auf eigene Faust weiter zu kommen, als unser Bus vorhin röchelnd den Geist aufgab. Nicht mal zwei Stunden weit sind wir gekommen!! Und ist der Motor erst mal hin, hilft auch kein Schimpfen und sich Ärgern mehr. Ich hätte mit den anderen im Taxi zurück nach Crescent City fahren können, ‘ne Nacht auf Kosten des Busunternehmens im Hotel verbringen und morgen gemütlich weiterschunkeln. Aber ich hatte es ja eilig. Und jetzt hocke ich hier in diesem Gruselwald. Irgendetwas an dieser Umgebung MUSS komisch sein: Die wenigen Einheimischen, die hier durchbrettern, halten sich mittig auf der Straße. Als ob sie Angst davor haben, was am Wegesrand lauert. Zum Beispiel eine harmlose Tramperin wie ich … fast kam es mir vor, als drückten sie noch mal extra aufs Gas, wenn sie mich sahen!  Kein sehr beruhigender Gedanke! 

Aber egal, wie tief man in der Wildnis steckt, zusammengekauert unter einem dicken Baum, eingewickelt in die dünne Flugzeugdecke, Internet gibt’s in diesem Land wirklich überall :o) Schade nur, dass ich mir keine Pizza hierher bestellen kann – ich habe nämlich nur noch ein paar alte Schokoriegel als Proviant. Und außerdem könnte mich der Pizzaboy dann ja auch gleich mit ins nächste Dorf nehmen …


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21:02 | Sunday, 23. October 2011


Alice und ihr Laden. Die wahrscheinlich tollste Person, die mir je begegnet ist. Außerdem hat sie mir mein Leben gerettet. Ohne sie wäre ich jetzt wohl Hundefutter. Das allein schreit ja wohl schon nach einer Verewigung von ihr in einem Bild!


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20:35 | Sunday, 23. October 2011


Und jetzt kommt der Hammer: Alice weiß, wo das Foto von mir, meinem Vater und dieser Andie aufgenommen wurde! Und zwar vor dem „Velvet Starshine“ in Portland. Ein Club, den man zwar nicht im Rolling Stone findet, aber in dem wohl schon etliche Musikerkarrieren begannen! Weil da nämlich noch live und unplugged vor interessiertem Publikum gespielt wird. 

Sie jedenfalls hat da schon etliche Foto-Shootings für irgendwelche Musiker gemacht. Und wenn sie darüber erzählt, werde ich ganz neidisch. Nicht wegen der Musik – ich krieg’ ja nicht mal eine Tonleiter zustande –, aber diese Begeisterung in ihrer Stimme! Und in ihren Augen! Dann redet sie, wie ich mich fühle, wenn ich ans Zeichnen denke – oder vielleicht gedacht habe, bevor Mama mir erklärt hat, dass ich eine „richtige“ Ausbildung brauche. Dass man „davon“ ja nicht leben kann. Aber was, wenn es genau das ist, das mich lebendig macht? 

Das Schicksal jedenfalls ist eine komische Erfindung! Hätten mich die drei egozentrischen Volltussis hier nicht sitzen lassen, hätte ich Alice nie kennen gelernt. Ich hätte vielleicht nie herausgefunden, wo mein Foto aufgenommen wurde – und würde mir jetzt vermutlich auch nicht vornehmen, den ganzen Mist mit Jura nochmal gründlich zu überdenken. 

Der Wischmopp auf meinem Kopf wäre wohl auch nicht „hübsch gemacht“ worden :o) Denn Alice hat mir versprochen, mir gleich mal die Haare zu schneiden. So, dass sie nach einer Frisur aussehen und nicht nach einem Unfall mit der Nagelschere :o) Aber so wohl ich mich hier auch fühle und so sehr ich Alice vermissen werde, heute nachmittag sitze ich im Bus nach Portland. Endlich habe ich eine wirkliche, echte Spur!


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19:46 | Saturday, 22. October 2011


Wie kann man sich denn dermaßen in Menschen täuschen?! Ich sitze gerade in der Wohnung einer der tollsten Frauen, die mir je begegnet sind, aber wie ich hierher kam, war nun echt ein absoluter Albtraum! Dabei war gestern Abend, als wir hier in Eureka ankamen,  noch alles cool, lustig und aufregend. Vor allem aufregend! Denn Jess fand es auf Dauer zu öde am Strand abzuhängen – viel eher unser Stil wäre ja wohl der berühmt-berüchtigte Pool des Gentlemen’s Club. 

Über den Zaun zu klettern war tatsächlich auch kein Problem und was den Pool betrifft: Der war wirklich ohne Worte. Hätten die drei bloß nicht so einen Radau gemacht! Aber das hat denen ja immer noch nicht gereicht. Sie mussten ja unbedingt checken, ob sich im Gästehaus etwas befindet, das man als Trophäe mitgehen lassen könnte! Auf mich hörte natürlich niemand. Selbst Schuld, dass die Alarmanlage losging, oder? Nur leider hat es nicht die drei Möchtegern-Einbrecherinnen getroffen, sondern mich. 

Die Security hat natürlich nicht lange auf sich warten lassen. Und zwar mit Hund UND Schrotflinte. Wir also ab durch die Mitte. Alles ging gut, bis wir die Straße entlang hetzten, wo das Auto geparkt war und ich volle Kanne über eine Mülltonne geflogen bin. Anstatt auf mich zu warten oder etwa mir zu helfen, haben die drei egoistischen Chicks mit quietschenden Reifen einen überstürzten Abgang hingelegt. Und zwar so richtig. Wahrscheinlich sollte ich sogar noch dankbar sein, dass sie daran gedacht haben, meinen Rucksack rauszupfeffern?!

Gerade hatte ich den aus dem Gebüsch gezerrt, als nur ein paar Meter weiter links das Tor aufging und der geifernde Bluthund sein bewaffnetes Herrchen hinter sich herzog – direkt auf mich zu. Ich dachte, mein Herz bleibt stehen. Stattdessen fingen meine Beine wie von selbst an zu rennen und ich stellte einen neuen Sprint-Rekord auf: die Straße runter und mittenrein in das, was sie hier Stadtmitte nennen. Ich war schon drauf und dran, mich meinem Schicksal zu fügen, als ich plötzlich am Kragen gepackt wurde und mich in einem netten, kleinen Plattenladen wiederfand. Direkt hinter dem Regal für Jazz.

Und schon hörte ich, wie mein Verfolger eine Vollbremsung hinlegt. Der dazugehörige Mistköter riss an seiner Leine – der hatte natürlich meinen Geruch in der Nase! Und der Typ dann gleich so: „Wir verfolgen eine Einbrecherin, circa 1,70 m, schwarze Haare, Grufti-Look!“ Ich also Atem angehalten und bin fast umgefallen vor Schreck, als ich eine ruhige Stimme antworten höre „Ja, die hab’ ich gesehen.“ 

Da dachte ich natürlich, jetzt ist alles aus: Ich lande auf dem Polizeirevier, meine Mutter muss mich auslösen, ich werde in den nächsten Flieger nach Hause gesetzt und finde nie raus, was mit meinem Vater wirklich los war. Aber da fügte sie doch tatsächlich an: „Sie ist die Straße runter und dann rechts.“ Nur zwei Sekunden später höre ich den Typen davonstürmen und die Tür schließen. Und Alice sagt: „Du kannst jetzt rauskommen.“ 

Alice ist so dermaßen cool. Sie ist 37, der Plattenladen gehört komplett ihr und sie geht manchmal als Fotografin mit Bands auf Tour. Das war’s. Kein Bürojob, kein Abfuck mit irgendwelchen Paragraphen, einfach den ganzen Tag umgeben von Musik und tollen Bildern. Ihre ganze Art erinnert mich irgendwie an Papa: Immer ein positives Auge auf alles, ein Leben für das, was man liebt und völlige Unabhängigkeit. Naja, ein bisschen hinkt der Vergleich vermutlich, denn im Gegensatz zu Papa macht sie wirklich, wonach ihr ist und muss niemandem etwas vorspielen. 


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19:11 | Friday, 21. October 2011


Yieeee-ha! Girls-Trip!


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10:35 | Friday, 21. October 2011


Genau so hab’ ich mir den Urlaub vorgestellt! Keine Probleme wälzen und stattdessen Strandsafari und jeden Moment genießen! Die drei Mädels sind echt der Knaller! Langeweile – Fehlanzeige. Denen fällt echt ständig was Neues ein.

Nachdem wir also den ganzen Tag gemächlich am Strand abhingen und uns von irgendwelchen Surfer-Typen haben aushalten lassen, kamen sie auf die Idee, uns den Sundowner selbst zu besorgen. Dass man im Amiland erst mit 21 Alkohol kaufen darf, war natürlich kein Hinderunsgsgrund sondern eine Herausforderung. Wir also mit Hüftschwung rein in den nächsten Liquor-Store, und ich hab’ den Verkäufer abgelenkt, während die anderen drei sich in aller Ruhe die Taschen vollgestopft haben. Zum Schluss haben sie mich dann noch überredet, selbst was mitgehen zu lassen – für den Kick! Und ich glaube, so ein bisschen was von Aufnahmeritual war auch mit dabei.

Aber wie auch immer, mit dem Zeug in der Tasche war es natürlich auch gar kein Thema, eine kleine Strandparty zu finden, wo wir am Lagerfeuer pennen konnten! Danke, ihr drei! So viel Action hätte ich mit Ben und Vanessa sicher nicht erlebt!


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18:01 | Thursday, 20. October 2011


Yeah! Das erste Mal in meinem Leben trampe ich und dann hab’ ich gleich so ein Schwein! Das heißt, die ersten drei, die für mich gehalten haben, durften schön alleine weiterzuckeln – fremde Männer in Pick-Up-Trucks – nein danke!! Aber schon Nr. 4 war ein echter Glücksgriff! 

Also sitze ich jetzt mit drei Grazien in einem weißen Cabrio und lass’ mir den Fahrtwind um die Nase wehen. Und Jess, Christy und Kate sind nicht nur extrem nett, sondern auch ordentlich gut aufgelegt. Kein Wunder, bei so einem Schlitten :o) Zwar fahren sie nicht exakt dieselbe Route, die Becca genommen hat, aber zumindest die Richtung stimmt. Es reicht völlig, wenn ich weiter nördlich wieder auf ihre Route stoße.

Ich kann mir sowieso nicht vorstellen, dass mein … Erzeuger damals mit mir und seiner Tussi so weit in den Süden gefahren ist, nur um ein blödes Foto vor irgendeinem langweiligen Gebäude zu machen! Nicht mit einer quengelnden 5-Jährigen auf dem Rücksitz, die nichts mehr hasste als Autofahren! Jede Wette, dass diese Andie nicht weit von der Stelle entfernt wohnt, wo die beiden den Unfall hatten!

Außerdem tut es mir gerade einfach nur gut, das Denken mal abzuschalten. Jess, Christy und Kate sind nämlich auf der Mission „Westküste unsicher machen“ :o) Und so wie die drei drauf sind, darf man das vermutlich wörtlich nehmen. Das könnte eine lustige Fahrt werden!


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10:50 | Thursday, 20. October 2011


Entstanden, nachdem ich zurück im Hotel war. Wie kann man denn bitte so gemein sein und der eigenen Tochter den Beweis dafür um den Hals hängen, dass man eine andere Frau hat?


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10:12 | Thursday, 20. October 2011


Oh Gott, jetzt kenne ich vermutlich sogar den Namen der Frau, mit der mein Vater hier was am Laufen hatte! Andie. Und das Perverseste daran: Ich hatte den Hinweis die ganze Zeit bei mir. Zu verdanken habe ich die Info ausgerechnet dem alten Mann von heute Mittag. Denn kaum war ich mit seinem Geld zurück im Motel, hat mich natürlich doch das schlechte Gewissen gepackt. Ich meine, einem alten Herrn das Geld zu klauen, der dein Großvater sein könnte – wie viel tiefer kann man sinken?? 

Zum Glück hatte er seine Visitenkarte einstecken: Er hat einen Antiquitätenladen am Washington Square. Und hätte ich ihm den Geldbeutel nicht zurückgebracht, wär’ er wahrscheinlich auch noch pleitegegangen. Da steckte nämlich der Gewinn vom ganzen Monat drin, den er auf der Bank einzahlen wollte … Klar, dass er sich vor Freude gar nicht mehr einkriegte, als ich mit dem Geld bei ihm auftauchte. Aber auch klar, dass ich den Finderlohn, den er mir geben wollte, nicht angenommen habe, oder? Stattdessen hat er mir einen Tee gemacht – so in hauchdünnem Porzellan mit irgendwelchen Blumen drauf – und wir haben uns unterhalten. Er hat sich auch nicht davon abbringen lassen, mir einen kleinen Handspiegel zu schenken. Damit ich immer sehen könne, wer ich wirklich bin, meinte er.

Mittendrin zeigte er plötzlich auf mein Amulett und bestand darauf, wenigstens die Uhr zu reparieren. Wie auch immer er gesehen hat, dass sie nicht geht. Während ich ihm also erzählt habe, dass ich das von meinem Vater geschenkt bekommen habe, packt er seine antiken Werkzeuge aus und schraubt rum. Dabei muss er wohl irgendwie das Foto gelöst haben. Das hielt er mir dann ganz vorsichtig entgegen. „Bist das du mit deinen Eltern?“ Eltern? Ich war verwirrt - da waren schließlich nur Papa und ich drauf. Und dann seh’ ich es: Es gibt noch eine zweite Hälfte: Das Foto war in der Mitte zusammengeklappt! 

Und jetzt ratet, was auf der bisher unsichtbaren Seite war: Eine brünette, langhaarige Tussi! Und auf der Rückseite des Bildes stand: Mara, Christian (also mein Vater) und Andie. Das ist echt die Krönung: Das schreibt er auch noch hintendrauf! Ich bin echt sauer! Auf ihn. Und auf mich – wieso kann ich mich nur nicht erinnern?? Ich habe sie doch offensichtlich kennen gelernt?! Was für eine unglaublich gemeine Aktion! Ich muss unbedingt diesen verdammten Ort finden, vielleicht kommt die Erinnerung dann zurück.


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20:27 | Wednesday, 19. October 2011


Und auch San Francisco ist doch nur eine weitere Scheißstadt randvoll mit blöden Idioten! Glotzen einen an, als wäre man eine seltene Art von Amöbe. Das einzige Highlight des Tages: dieses hübsche Portemonnaie, randvoll mit Scheinen. 

Das fiel mir eben in die Hand, als ich ein wenig Mystery-Tourismus betrieben hab. Mr. Carter hat mir ja was von einer Gedankenleserin erzählt. Und die Story kannte Becca tatsächlich auch. Sie war sogar hier bei ihrer Grabstätte! Das ist jetzt sicherlich auch nichts anderes als eine weitere urbane Legende – da stehen die Amis ja drauf. Aber für Becca hatte der Ort wohl trotzdem eine Bedeutung. Immerhin war die Frau in gewisser Weise wie sie. Wenn man etwas Besonderes ist wie Becca, dann gibt es sicher nicht viele Menschen, die theoretisch nachvollziehen könnten, wie man sich fühlt.

Jedenfalls saß ich dann am See, in dem sie sich umgebracht haben soll, auf so ’ner blöden Bank und hab’ überlegt, wie ich nach den tollen News von gestern Abend weitermachen soll. Und wirklich jeder, der vorbeilief, glotze mich noch bescheuerter an als der davor. Seh’ ich aus wie ein Junkie, verdammt? Der Höhepunkt war dann schließlich, als sich so ein alter Knacker neben mich hockt und mich dumm von der Seite anspricht. So von wegen: Ich solle doch mal lächeln. Denn egal was es sei, es gäbe sicher eine Lösung. Na klar, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und das Leben ist wunderbar. Was glauben die Leute eigentlich? Dem hab ich erstmal die Meinung gegeigt!

Dann ist er Gott sei Dank abgezischt und meinte noch, er hätte mich nicht verärgern wollen! Vermutlich hab’ ich ihn derart erschreckt, dass er völlig vergessen hat, nachzuprüfen, ob er seine dicke Geldbörse noch dabei hat. Aber mal ehrlich: Wer so viel Kohle mit sich rumschleppt, dem tut’s auch nicht weh, sie zu verlieren. Bestimmt hat er zu Hause noch viel mehr davon. Ich dagegen kann das viel besser gebrauchen! Das ist dann ja wohl sowas wie ausgleichende Gerechtigkeit und da brauche ich auch kein schlechtes Gewissen zu haben!!!


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