Das Buch „Whisper Island“

„Whisper Island – Sturmwarnung“ ist das erste Jugendbuch der Bestsellerautorin Elizabeth George und ab sofort im Buchhandel erhältlich.

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Lese hier Maras Reisetagebuch:

Roadtrip to myself

Mein Name ist Mara.

Ich bin 19 Jahre alt und komme aus Berlin.
Ich folge den Spuren, die das Leben für mich ausgelegt hat.
Ich halte fest, was es festzuhalten gilt.
In Fotos, in Illustrationen, in Texten.
Vielleicht finde ich mich genau dort wieder – zwischen den Zeilen.

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10:39 | Thursday, 27. October 2011

Ja ganz toll. Da kenne ich endlich den genauen Ort, an dem das Foto mit meinem Vater aufgenommen wurde und was passiert? Der Laden ist verlassen, verrammelt und geschlossen. Und die größte Scheiße ist: Weder im Netz ist was darüber zu finden, noch hat einer der Einheimischen hier Ahnung, wem das ehemalige Velvet Starshine gehörte oder wenigstens, wen ich dazu befragen könnte. 

Gerade jetzt treten die Gray Boxes irgendwo auf, aber ich hänge hier in diesem dämlichen Hotel und flenne, weil ich so niemals rausfinden werde, wer diese verdammte Andie ist und was zur Hölle mein Vater hier gemacht hat. Mama hatte Recht: Ich hätte einfach nicht weiter nachforschen sollen, das macht alles nur noch schlimmer! 

Wenigstens ist Ian noch eine Weile in der Stadt und ich habe ein Zimmer im gleichen Hotel wie er bekommen. Ich hoffe, er kommt bald wieder. Ich könnte grad echt ein bisschen Ablenkung gebrauchen!


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11:35 | Wednesday, 26. October 2011


Yeah! Ein grandioser Tag mit Ian geht zu Ende. Und schon mal vorweg: Die Gray Boxes sind der absolute Knaller! Und das nicht nur musikalisch. Ich hatte selten so viel Spaß bei einem Frühstück und die Autofahrt erst: Ich glaube, ich habe bis nach Springfield durchgelacht!! Nachdem die Jungs vor Ort auch noch in Rekordzeit ihren Soundcheck abhaken konnten, hatte ich mit Ian noch Zeit für Blödsinn.

Als Erstes haben wir uns natürlich umgesehen, ob das hier jenes Springfield ist, in dem „Die Simpsons“ wohnen. Aber wir haben leider weder einen Jebediah Springfield noch eine Kneipe Namens Moe’s gefunden. Dafür aber so eine Art Kwik-E-Mart. Sogar mit einem Inder hinter dem Tresen. Die Frage, ob er Apu sei, fand er – seinem Augenrollen nach zu urteilen – allerdings nicht besonders originell. Hatte er aber vermutlich auch schon rund 1000 Mal gehört … Also haben wir uns schnell noch ein paar Kaugummis besorgt, die Ian beim Schlagzeugern malträtiertund sind zum Club zurückgejoggt.

Und Zeit wurde es. Vor der winzigen Location stapelten sich schon die Leute und drinnen sah es nicht anders aus. Es wurde gepfiffen und geklatscht – alle wollten Gray Boxes endlich mal live sehen! Was für eine Atmo! Dementsprechend gefeiert und bejohlt wurden die Jungs dann am Ende auch -  und das völlig zu Recht. Was haben die gerockt!! Irgendwann habe ich aufgehört die Zugaben zu zählen!

Ian war hinterher auch völlig verstrahlt :o) Trotzdem ist er im Gegensatz zu seinen Bandkollegen mit mir um die Häuser gezogen. Während die anderen sich also im Erfolgsrausch in einer Kneipe die Nase begossen haben, saßen Ian und ich vor der Stadthalle in Springfield und haben uns stundenlang über Gott und die Welt unterhalten. Ian’s Familie ist offenbar genauso wie meine – mal abgesehen davon, dass sein Vater noch lebt. Immer wollten sie, dass er was Vernünftiges macht. Bei ihm ging’s sogar um BWL. Noch ‘ne ganze Nummer schlimmer als Jura, wenn ihr mich fragt.

Und er hat echt 3 Jahre durchgehalten. Aber kurz vor seinem Bachelor konnte er einfach nicht mehr wegdrücken, dass das einfach nicht sein Lebensplan ist. Also hat er das Studium geschmissen und tut endlich genau das, was er immer machen wollte. Und damit geht’s ihm nicht nur viel besser, er ist sogar kurz davor, von seiner Musik leben zu können!! Wie cool ist das denn?! Wenn jetzt noch der Gig in Portland reinhaut, steht für die Jungs womöglich ein dicker Plattenvertrag an! Ich drücke ihnen jedenfalls alle Daumen.

So gerne ich ihn allerdings noch mal auf der Bühne sehen würde, ich fürchte, das schaffe ich zeitlich gar nicht. Schließlich fahre ich nicht zum Vergnügen nach Portland, sondern um endlich rauszufinden, was mit meinem Dad los war!

Ich wünsche mir, dass die Frau aus dem Wald Recht behält und alles ganz anders ist, als es momentan aussieht. Ich wünsche mir, dass Andie nur eine Freundin von Papa war, nichts weiter. Ich wünsche mir, dass ich mich endlich erinnere! Ich wünsche mir meinen Vater zurück – so wie ich ihn kannte.


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18:55 | Tuesday, 25. October 2011


Und mal wieder heißt es: Schlaflos in Amiland! Diesmal hat das allerdings nichts mit gruseligen Wäldern oder blöden Typen zu tun, sondern mit Ian :o) Als ich gestern nämlich noch mal kurz durch die Lobby spazierte, traute ich meinen Augen kaum. Sitzt da doch dieser wirklich süße Kerl – Marke Rockstar – auf dem Sofa und faltet seelenruhig, wenn auch etwas amateurhaft, an einem Origami-Vogel. Sah eher aus wie ein fliegendes Ferkel ;o)

Bevor ich mich versehe, stehe ich auch schon vor ihm, mit meinem schönsten Lächeln und guck mir das Ding von Nahem an: „Lass mich raten, das hast du noch nicht oft gemacht, oder?“ Da erklärt er mir mit beschämtem Grinsen doch echt, dass ihm jemand geraten hat, das zur Entspannung zu machen. Natürlich konnte ich ihn so nicht weiter tüfteln lassen. Also habe ich ihm ein bisschen unter die Arme gegriffen und wir haben gemeinsam eine wunderschöne Eule gebastelt. Ian hat sie „Vogel“ getauft. Ein unglaublich kreativer Kopf! ;o)

Aber ich darf gar nicht lästern, wahrscheinlich fließt seine ganze Kreativität in seine Musik. Er ist nämlich gerade mit seiner Band Gray Boxes auf Tour – die erste richtig große quer durch die Staaten!! Ihre Debüt-CD ist seit 2 Wochen draußen. Ein ziemlich cooler Indie-Wave-Sound! Ian ist der Drummer der Combo. Den Auftritt der Gray Boxes gestern in einem kleinen Club hier um die Ecke habe ich leider verpasst. Dafür bin ich bei den nächsten live dabei!!!

Als ich Ian nämlich ganz nebenbei erzählte, dass ich auf dem Weg nach Portland bin, hat er mich netterweise gleich als „Roadie“ gebucht. Die Jungs haben nämlich die gleiche Strecke vor sich: Heute haben sie noch einen Gig in Springfield und danach geht’s auf nach Portland! Dafür mache ich gerne das Groupie - … äh, den Roadie meine ich natürlich :o) So, jetzt erst mal mit den Jungs frühstücken. Mal gucken, wie der Rest von der Band so drauf ist!


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11:56 | Tuesday, 25. October 2011


Eines gleich vorneweg: Der Typ aus Beccas Tagebuch ist echt eine Arschgeige! Aber hallo! Der absolute Klassiker: Verteilt doch tatsächlich Punkte fürs Aussehen. Genau wie Becca beschrieben hat! Aber dem hab’ ich mal so richtig die Leviten gelesen :o) Ich hab’ einfach so getan, als würde ich mich bei seinem Vater nach einem passendem Auto für mich umsehen. Und kaum hat er gecheckt, dass da ein Mädchen alleine rumstapft, kam er angewieselt und wollte „helfen“. Schon klar, wie der mir „helfen“ wollte -  am besten gleich aus der Hose!

Ich hab’ also erst mal schön mitgespielt und ihn labern lassen. Und das konnte er wirklich gut. Von wegen, wie viele Menschen er hier treffen würde, die „auf der Durchreise wären“ (Blick auf meinen Hintern). Und was bei etlichen ein Glück wäre, sei bei anderen – wie bei mir – echt schade (tiefer Blick in meine Augen). Und als ich da dann ganz unschuldig nachgehakt habe, was er denn damit meint, hat er mir doch tatsächlich seine “Top Five Freakshow der letzten Monate“ aufgezählt.

Auf Platz eins: Ein kleines Grufti-Girl – eindeutig Becca! Da lästert dieser Typ ohne rot zu werden über sie ab und lädt mich dann zum Kaffee ein, von wegen ich sähe echt aus, als könnte ich einen Capuccino gebrauchen. Ja von wegen! Ich hab ihn also von oben bis unten abgescannt (so, wie er das ja auch gemacht hat) und freundlich bestimmt erklärt: „Lass mal stecken, echt keinen Bedarf!“ Damit bin ich dann davon marschiert. Und wie erwartet – eine Ablehnung lässt so jemand natürlich nicht auf sich sitzen – ist er hinter mir her: „Was ist denn dein verdammtes Problem?“

Vermutlich war er völlig von den Socken, weil seine Tour nicht zog! Und ich hab’ noch einen draufgesetzt. Ich hab’ ihm nämlich einfach das gespiegelt vor den Latz geknallt, was Becca in seinen Gedanken gelesen hat, als die beiden sich getroffen haben. Gnadenlos: „Bevor ich mit dir nach Hause gehe, solltest du vielleicht erst mal was gegen deinen fetten Bauch tun.“ Und: „Diese beschissenen Klamotten hat dir wohl dein komischer Vater ausgesucht, was?“ Und: „An deiner Stelle würde ich mir erst mal eine Frisur zulegen. Wer hat die denn geschnitten? Der Gärtner?“ Und als krönenden Abschluss: „Typen, die einen so dämlich zutexten, haben meistens genauso wenig in der Hose, wie in der Birne.“

"Schöne Grüße von Becca, du Pisser, deine Nummer eins aus der Freakshow!" Wow, das behämmerte Gesicht, das er gemacht hat, hat mir echt den Tag versüßt! Bevor er das nächste Mädchen abcheckt und blöd von der Seite anquatscht, überlegt er sich das in Zukunft zweimal! So, ich werde jetzt mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht einschlafen! 


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20:42 | Monday, 24. October 2011


Manchmal habe ich echt das Gefühl, Männer sind alle gleich! Vermutlich sollte ich froh sein, dass ich nicht in ihre Köpfe gucken kann. Auf der anderen Seite, vielleicht hätte ich meiner Mutter und mir dann diese Überraschung erspart, was meinen Vater angeht?!


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20:02 | Monday, 24. October 2011


Was für eine Nacht! Irre, extrem strange und vor allem „spooky“, wie der Amerikaner sagen würde. Hätte ich irgendwelche Kino-Ambitionen, würde ich da sofort einen Horrorfilm (Marke Blair Witch) drüber drehen. Vielleicht sollte ich es mal mit einem Comic versuchen?! Ich hatte nämlich ganz richtig gehört: Es waren tatsächlich die Schritte eines Menschen, die da gestern Nacht auf mich zukamen.

Das erste, was ich sah, war der riesige Schatten einer Gestalt (da soll noch mal jemand sagen, der Mond wäre nicht hell genug für sowas!). Als ich mich also angstbibbernd an meinem kleinen Deckchen festklammerte und versuchte, mich unsichtbar zu machen, stand sie plötzlich vor mir, als hätte sie sich die letzten Meter vorwärtsgezoomt – und lächelte nett. Das war das Erste, das mir auffiel: ihr Lächeln. Weil es ihr ganzes Gesicht veränderte. Die Lachfältchen um die Augen und dieser aufmerksame Blick, der irgendwie gar nicht zu einer Frau passte, die grob geschätzt sicher über siebzig ist.

Jedenfalls habe ich sozusagen in ihrem Vorgarten campiert. Denn ihre kleine Hütte stand nur ein paar hundert Meter weiter im Wald. Dorthin hat sie mich dann auch eingeladen. Das quietschende Sofa, das nach Mottenpulver roch, war jedenfalls hundert Mal besser, als im Wald zu pennen – vor allem für meine Nerven! Trotzdem machte die gesamte Einrichtung einen mehr als komischen Eindruck auf mich. Es wirkte wie in einem Antiquitätenladen.

Naja, aber kaum war die Sonne aufgegangen, versorgte Ruth mich mit Tee und süßen Brötchen. Sicher selbstgebacken, schließlich meinte sie, dass sie kaum jemals den Wald verlässt. Sie hat es nicht so mit der Zivilisation. Als ich mich dann aber verabschieden wollte und sie mir erklärt hatte, wie ich am schnellsten wieder zum Highway käme, kehrte ein leichter Grusel zurück: Sie legte mir eine Hand auf die Schulter, sah mir ins Gesicht, als könnte sie darin irgendwas lesen und erklärte: “Wenn du das Geheimnis um deinen Vater erst einmal gelöst hast, wirst du ihn verstehen können.”

Ich hatte ihr absolut nichts erzählt. Weder, wo ich herkomme, noch warum ich hier bin – ganz zu schweigen von meinem Vater. Ich hab nur freundlich genickt und schleunigst zugesehen, dass ich von da wegkomme.

Und kaum stand ich an der Straße, kam auch schon ein LKW vorbei, hielt an und nahm mich mit! Gefahren wurde der Koloss vom netten Trucker Rick. Allerdings hatte er auch immer seine treue Begleiterin dabei – die Hündin Josie! Von wegen die bösen Trucker. Einer der nettesten Menschen, die ich bisher getroffen habe! Als ich Rick von meiner Nacht erzählte, warf er mir allerdings nur einen seltsamen Blick zu und wechselte das Thema. Irgendwas an dieser Gegend ist verdammt seltsam!

Aber ich bin erst mal heilfroh, dass Rick mich bis nach Grants Pass mitgenommen hat! Jetzt bin ich wenigstens schon im Bundeststaat Oregon! Und da habe ich mir dann gleich ein schickes Hotel mit echtem Bett und ganz normaler Matratze gesucht! Und das Beste ist: Ich bin offensichtlich wieder Becca auf der Spur. Denn in ihrem Tagebuch hat sie über einen Typen von hier geschrieben, der ein arroganter Mistkerl vor dem Herren zu sein scheint.

Mal sehen, ob ich den finde und über sie aushorchen kann! Ich verdanke Becca echt so viel, manchmal kommt es mir vor, als würden wir uns schon verdammt lange kennen, dabei weiß ich nicht mal, welche Hobbys sie hat. Wer weiß, vielleicht kann der Kerl mir ja was über sie erzählen. Das allerdings wird meine letzte Amtshandlung für heute sein, ich muss nämlich dringend Schlaf nachholen!


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15:00 | Monday, 24. October 2011

4:58 Uhr

Ich glaube, da kommt jemand. Das hört sich wirklich nach Schritten an – und nach einem Zweibeiner, keinem Vierbeiner … Hätte ich bloß ein Bett, um mich darunter zu verkriechen … Ich glaube, ich sehe da wirklich Licht durch die Bäume auf mich zukommen


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14:23 | Monday, 24. October 2011

4:23 Uhr

OMG! Ich muss tatsächlich kurz eingenickt sein! Als ich eben die Augen aufschlug, lag mein Rucksack einen halben Meter weiter, mein Gepäck war auf dem Boden verstreut. Sofern ich das in dem Funzellicht dieser billigen Taschenlampe erkennen kann, fehlt nichts – mit Ausnahme meiner Schokoriegel. Die sind angefressen. Bitte lass es niedliche Waschbären oder Eichhörnchen mit Schoko-Hieper sein!


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12:55 | Monday, 24. October 2011

Das mit dem Schlafen wird heute wohl nichts mehr! Jedes Mal, wenn mir die Augen zufallen, knackt oder raschelt es wieder … und irgendwie hört es sich an, als käme das Geräusch immer ein bisschen näher …


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11:42 | Monday, 24. October 2011

2:40 Uhr

Irgendwoher kommt so ein Knacken und Prasseln, und in der Ferne kann ich das Leuchten eines Feuers erkennen. Ob ein bisschen tiefer im Wald jemand vor seinem Wohnwagen sitzt und sich am Feuer in der Tonne wärmt? Hoffentlich wache ich morgen nicht ohne Nieren auf! Ganz ruhig Mara, alles wird gut …


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